Zahlen und Fakten zum Schulwesen (1)

Klassenraum im Bergland

Im Dezember 2013 veroeffentlichte UNICEF eine ausfuehrliche Studie zum Schulwesen in Vietnam. Hintergrund dieser Studie ist das Vorhaben der Regierung, bis zum Jahre 2015 alle Kinder in die Schulen zu bringen. In ihrem Hauptteil basiert die Studie auf Untersuchungen, die zwischen November 2012 und Maerz 2013 in Hồ Chí Minh-Stadt sowie sieben repraesentativ ausgewaehlten Provinzen, je zwei im noerdlichen Bergland, im Zentralen Hochland und im Mekong Delta sowie eine zentralvietnamesische Kuestenprovinz, stattfanden. Um meine Leser nicht mit Zahlen und Statistiken zu erschlagen, habe ich mich entschlossen, die Studie in mehreren Teilen abzuhandeln. Bezug nehmen kann ich allerdings nur auf die Situation in Hanoi und Umgebung sowie im noerdlichen Bergland, da ich die in den anderen Landesteilen auch nur aus dem Fernsehen oder aus der Zeitung kenne. Beginnen moechte ich heute mit einigen Daten zur Infrastruktur. Diese sind zwar von 2010, aber ich glaube nicht, dass sich seitdem daran viel geaendert hat.

In 99.5 Prozent aller vietnamesischen Staedte und Gemeinden gibt es (mindestens) eine Grundschule (Klassen 1-5), in 92,9 Prozent (mindestens) eine Mittelschule (Klassen 6-9). Das hoert sich erst einmal gut an, sagt aber nichts ueber die Ausstattung der Schulen aus. Die ist naemlich in den grossen Staedten wesentlich besser als in laendlichen Gebieten oder bei uns im Bergland, wo oft nicht nicht einmal genug Klassenraeume zur Verfuegung stehen und nicht selten in Provisorien unterrichtet wird.

Pausensport

Der Schulweg der Kinder betrug nach einer Umfrage von 2010 durchschnittlich 2,5 Kilometer. Aber auch hier muss man zwischen Stadt und Land differenzieren. Da eine Gemeinde in der Regel aus mehreren Doerfern besteht, die durchaus ziemlich weit auseinanderliegen koennen, ist der Weg zur Schule fuer die Kinder im Bergland doppelt so lang wie der der Stadtkinder. Im Durchschnitt wohlgemerkt. In bestimmten Faellen ist er wesentlich laenger. Die Kinder im Bergland werden auch nicht wie die verwoehnten Goeren in Hanoi von ihren Eltern, anderen Verwandten oder dem Hausmaedchen zur Schule gebracht und wieder abgeholt, sondern muessen diesen Weg schon in sehr jungen Jahren selbststaendig zuruecklegen. Wie hier im Blog schon mehrmals zu lesen war, kann so ein Schulweg ueber marode Bruecken oder durch Fluesse mit Hochwasser durchaus lebensgefaehrlich sein.

Die folgende Statistik zeigt noch einige interessante Fakten zur schulischen Infrastruktur auf, von denen mich einer ein bischen schockiert hat. Ich bin ja viel im Bergland unterwegs, aber dass dort rund 50 Prozent der Grund- und Mittelschulen immer noch keinen Stromanschluss haben, war mir gar nicht so bewusst. Wenn man dann noch die Klassengroessen von oft mehr als 50 Schuelern bedenkt, ist doch ein vernuenftiger Unterricht kaum moeglich. Da bin ich ganz froh, dass in den Klassen, die ich in Lâm Sơn unterrichte, nur jeweils gut 30 Schueler sitzen. Und auch das ist schon eine Herausforderung, wenn man keines der Kinder vernachlaessigen moechte.

Viele Gruesse
Cathrin

Infrastruktur

Das ewige Problem mit der Nachhilfe

Klassenzimmer

Die Online-Augabe der Jugendzeitung Thanh Niên veroeffentlichte heute die Ergebnisse einer Umfrage, die Mitte April an 140 Grundschulen in Hanoi, HCMC, Đà Nẵng, Cần Thơ sowie in den zentralvietnamesischen Provinzen Quảng Nam und Bình Định durchgefuehrt wurde. Danach besuchten fast 75 Prozent der Grundschueler (Klassen 1-5) neben dem normalen Unterricht auch noch Nachhilfestunden, obwohl das in der Grundschule eigentlich gesetzlich verboten ist. Die Quoten reichten dabei von 65,2 Prozent in Bình Định bis zu 88,2 Prozent in Đà Nẵng. Die meisten dieser Nachhilfestunden finden entweder unmittelbar nach Ende des normalen Schultages und/oder am Wochenende statt. Gehe ich davon aus, dass es sich hier um Grundschueler handelt, so werden die entsprechenden Quoten in der Mittelschule oder am Gymnasium noch viel hoeher sein.

Die Gruende, die die Eltern dafuer angeben, sind vielschichtig. Mehr als die Haelfte wuenscht, dass ihre Kinder den Lehrstoff des Tages noch einmal wiederholen und auch zusaetzliche Sachen lernen. Vor allem in den Grossstaedten werden die Nachhilfeklassen als Kinderbetreuung gesehen, waehrend die Eltern noch arbeiten. Andere Eltern gaben an, und das sicher nicht ganz ohne Hintergedanken, dass sie die Lehrer durch die zusaetzliche Zahlungen fuer die Nachhilfestunden unterstuetzen wollen. Das hat aber, genau wie grosse Geschenke zum Lehrertag oder zum Neujahrsfest, immer einen bitteren Beigeschmack. Nicht selten werden damit gute Noten einfach erkauft.

Schule macht Spass

Und genau hier liegt meiner Meinung nach das eigentliche Problem. Aus meiner finanziellen Unabhaengigkeit heraus laesst sich diese Nachhilfepraxis natuerlich leicht kritisieren. Auch ich bin am Nachmittag fuer meine Schueler da. Fuer schulische Probleme steht meine Haustuer fuer die Kinder immer offen. Zum selbststaendigen Lernen duerfen sie auch unsere Netbooks mit Internetanschluss nutzen. Der entscheidende Punkt dabei ist jedoch: Ich muss dafuer kein Geld nehmen. Doch die meisten Lehrer sind auf diesen Zusatzverdienst angewiesen. Daran wird sich sicher nichts aendern, solange die Gehaelter nicht entscheidend angehoben werden. Vom normalen Gehalt eines Lehrers kann man keine Familie ernaehren. Es gibt dabei allerdings auch Lehrer, die es auf die Spitze treiben und ihren normalen Unterricht so gestalten, dass nur die Kinder, die ihre Nachhilfekurse besuchen, den vollstaendigen Schulstoff vermittelt bekommen. Und das kann es doch nun wirklich nicht sein. Aus meiner Sicht haben diese Menschen im Lehrerberuf nichts verloren.

Verstehen kann ich aber auch die Eltern nicht, die ihre Kinder quasi einem Rund-um-die-Uhr-Bildungsdruck aussetzen, zumal in diesem jungen Alter. Denn der Job eines Kindes ist es doch in erster Linie, Kind zu sein. Meine Maedels und ihr „Girls Club“ jedenfalls haben genuegend Gelegenheiten auch fuer Aktivitaeten, die nichts mit der Schule zu tun haben, ohne dass dies negative Auswirkungen auf ihre schulischen Leistungen hat.

Viele Gruesse
Cathrin

Klasse 8

Das faule Leben ist vorbei

Computerraum

So hart kann das Leben sein. Am Dienstag war noch Feiertag und bereits einen Tag spaeter begann offiziell das neue Schuljahr. Die meisten Kinder sind allerdings schon seit Mitte August wieder in der Schule. Das ist an vietnamesischen Schulen so ueblich und dient der Vorbereitung auf das Schuljahr, beruht aber auf Freiwilligkeit. Kein Kind wird dazu gezwungen, die letzten drei Ferienwochen fuer die Schule zu opfern. Trotzdem waren fast alle da und mussten natuerlich auch beschaeftigt werden. Regulaerer Unterricht findet aber erst seit heute statt.

Fuer mich als Lehrer-Frischling begann das Schuljahr bereits am 11. August. Die ersten Tage waren allerdings angefuellt mit schier endlosen Konferenzen, wo es u.a. um die Klasseneinteilung, den Einsatz der Lehrer und alle moeglichen organisatorischen Dinge ging. Da habe ich zum ersten Mal hautnah mitbekommen, wie aufwaendig es doch ist, einen reibungslosen Schulbetrieb zu ermoeglichen.

Meine Lehrerstelle teile ich mir mit einer jungen Frau aus der Distriktshaupstadt, die sich im Fruehjahr darum beworben hatte. Wir haben uns gemeinsam mit der Schulleitung dahingehend geeinigt, dass sie als Klassenlehrerin die 6. Klasse uebernimmt, in der mit Hạnh und Giang zwei meiner Maedels sind. Sie wird ausser in den beiden 6. auch die 7. Klassen unterrichten, waehrend ich den Geschichts- und Geografieunterricht in den 8. und 9. Klassen uebernehme. Mit dieser Loesung waren alle sehr zufrieden, denn mir bleibt damit der Stress als Klassenlehrerin erspart und sie bekommt fuer diese Taetigkeit einen Bonus auf ihr Gehalt. Mein eigenes Gehalt werde ich wie versprochen der Schule fuer neue Lehrmittel oder Renovierungsarbeiten zur Verfuegung stellen.

Mit Hilfe einer grosszuegigen Spende aus Berlin konnte in den Ferien der Computerraum der Schule mit neuen Laptops ordentlich aufgeruestet werden. Im Namen aller Schuelerinnen und Schueler herzlichen Dank dafuer. Nun kann das neue Schuljahr richtig beginnen. Morgen habe ich meine ersten regulaeren Unterrichtsstunden in den 9. Klassen. Ich werde das Schuljahr mit dem schon von mir erwaehnten Gedicht von Bertolt Brecht einleiten. Deshalb hatte vorhin mein Drucker sehr viel zu tun, denn jeder Schueler wird von mir eine Kopie des Gedichtes und einen Extrazettel mit einigen Erlaeuterungen erhalten. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Kinder darauf reagieren werden.

Viele Gruesse
Cathrin

Những câu hỏi của một công nhân đọc sách – Fragen eines lesenden Arbeiters

Es sind zwar noch ueber drei Monate Zeit, bis ich zum ersten Mal nicht mehr als Aushilfe, sondern als offizielle Lehrerin vor einer Schulklasse stehen werde. Trotzdem mache ich mir heute schon Gedanken darueber, wie ich den Kindern den Stoff in dem hier eher trocken und langweilig unterrichteten Fach Geschichte so vermitteln kann, dass sie auch ein bischen Spass und Freude daran haben. Schliesslich habe ich nicht vor, nur stur den Lehrplan abzuarbeiten, der zum groessten Teil auf ausweniglernen angelegt ist. Vor einigen Tagen kam mir dann durch Zufall dieses Gedicht von Bertolt Brecht in Erinnerung. Meiner Meinung nach eignet es sich hervorragend fuer den Einstieg in dieses fuer mich so spannende Fach. Das Gedicht wird also im Mittelpunkt meiner ersten Unterrichtsstunde in den 9., vielleicht auch in den 8. Klassen stehen. Die vietnamesische Uebersetzung ist auch schon fertig.

Viele Gruesse
Cathrin

Những câu hỏi của một công nhân đọc sách

Ai xây Thebes với bảy cổng thành
Sẽ chỉ thấy tên các vị vua trong sử sách
Có phải họ đã khuôn những viên đá?
Và Babilon, sau bao lần tàn phá
Ai dựng lại chúng lên?
Thành Lima chói lóa ánh hoàng kim
Trong những căn nhà nào, các thợ xây sinh sống?

Vào cái đêm Vạn Lý Trường Thành được xây xong
Những thợ nề, họ sẽ đi đâu?
Trong thành La Mã, cổng vinh quang có ở khắp nơi
Ai dựng chúng lên? Trước những ai, Caesar mừng chiến thắng?
Còn Byzantium, vinh danh trong các bài hát
Có phải cung điện ở đây dành cho mọi dân cư?
Và cả Atlantis huyền thoại
Vào cái đêm nó bị đại dương nuốt
Những kẻ chết chìm có quát nô lệ?

Alexander trẻ tuổi chinh phục Ấn Độ.
Ông ta chỉ đi có một mình?
Caesar đánh tan người Gaul
Ông ta mang theo người nấu ăn không nhỉ?
Philip ở Tây Ban Nha khóc khi hạm đội tan tành.
Có phải mỗi mình ông ta khóc?
Fredereck đệ nhị thắng cuộc chiến Bảy năm.
Ngoài ông ta, còn ai là người thắng?

Mỗi trang sử có một chiến thắng.
Ai là người nấu bữa tiệc cho những kẻ thắng trận?
Cứ mười trang sách lại có một vĩ nhân.
Ai là người phải trả tiền cho họ?

Quá nhiều sự kiện.
Quá nhiều câu hỏi.