Ein Weihnachtslied zum Nachdenken

Stille Nacht, heilige Nacht, alles schlaeft, keiner wacht.
Die Menschheit daemmert im Tiefschlaf ganz sacht.
Auf die einsamen Rufer gibt niemand mehr acht.
Schlaft in himmlischer Ruh, schlaft nur in himmlischer Ruh!

Stille Nacht, eisige Nacht, hilflos im Sturm – er tobt mit Macht
und drinnen wird noch getanzt und gelacht,
die Krippe zur blossen Kulisse gemacht.
Beim Feiern ist elende Wut, schlaf nur in himmlischer Ruh!

Stille Nacht, einsame Nacht, in fremden Land verfolgt, verlacht;
Vom Bruder zum Gegner, zum Feind gemacht,
Wer hat dieses Feuer des Hasses entfacht.
Und wir sehen tatenlos zu – schlaft nur in himmlischer Ruh!

Stille Nacht, grausame Nacht, ein trauriges Fest, draussen tobt eine Schlacht.
Vom sinnlosen Krieg zum Waisen gemacht,
von lautlosen Kugeln zum Schweigen gebracht.
Sie finden nun ewige Ruh – und morgen vielleicht ich und auch Du.

Stille Nacht, endlose Nacht, die Erde schreit, sie stirbt unbeacht.
Habt ihr die Fragen der Kinder bedacht,
wenn ihr ihnen diesen Planeten vermacht ?
Schlaft weiter in himmlischer Ruh, schlaft nur in himmlischer Ruh!

Stille Nacht, heilige Nacht, der Morgen kommt, ein Tag erwacht.
Das Kind in der Krippe, es regt sich und lacht.
Ein Funke der wieder die Hoffnung entfacht,
auf ein Leben ohne Traenen und Wut, auf ein Leben aus Liebe und Mut.

Ich wuensche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein frohes und friedliches Fest.

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4 Gedanken zu “Ein Weihnachtslied zum Nachdenken

  1. Traurig, aber wahr: dieses Leben! Elend und ungerecht. Fressen und gefressen werden. Ein endloses Unsinn. Was anders habe ich bisher nicht erlebt. Eine reine Enttäuschung. Dennoch soll man Mut, Liebe und Hoffnung nie aufgeben, so lange das Leben noch existiert.
    In diesem Sinn: eine besinnliche Weihnachten!

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  2. noch’n Gedicht:
    Kurt Tucholsky

    Groß-Stadt-Weihnachten

    Nun senkt sich wieder auf die heim’schen Fluren
    die Weihenacht! die Weihenacht!
    Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
    wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

    Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
    Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
    Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
    den Aschenbecher aus Emalch glase.

    Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
    auf einen stillen heiligen Grammophon.
    Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
    den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.

    Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
    voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
    dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
    „Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!“

    Und frohgelaunt spricht er vom ‚Weihnachtswetter‘,
    mag es nun regnen oder mag es schnein.
    Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
    die trächtig sind von süßen Plauderein.

    So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
    in dieser Residenz Christkindleins Flug?
    Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden …
    „Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.“

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